Optimismus - aber bitte realistisch!
Wie gesunder Optimismus dir im Leben helfen kann
Bist du Optimist oder hältst du die rosarote Brille für naiven Hokuspokus, vielleicht sogar Gehirnwäsche? Egal ob Skeptiker oder unverbesserlicher Optimist, du hast vermutlich Recht. Denn Optimismus ist nicht gleich Optimismus! Lass uns mal anschauen, was ich damit meine…
Bitte vermeiden: blinder Optimismus
Der verzerrte Blick durch die rosarote Brille hat wenig mit gesundem Optimismus zu tun. Im Gegenteil: Er schadet dir! Beim blinden Optimismus verneint man Negatives, als würde es nicht existieren. Das führt dazu, dass man sogar seine negativen Emotionen unterdrückt, denn es kann ja wohl nicht sein, dass ein Optimist mal einen schlechten Tag hat, oder?
In den sozialen Medien wird der Optimismus manchmal richtig toxisch, nämlich wenn andere für ihr Leid beschuldigt werden. Du erlebst Misserfolge oder bist traurig? Alles Mindset-Sache! Und wer es nicht schafft, mit einem Fingerschnipsen den inneren Optimisten anzuschalten, ist selber schuld an der Misere. Schon mal gehört? Dann weißt du jetzt: Das ist toxischer Optimismus! (also kein echter Optimismus)
So eine toxisch positive Einstellung hat allerhand Nachteile:
Nachteil #1: Negative Emotionen werden verstärkt
Du glaubst, negative Gefühle zu unterdrücken hilft dabei, sie loszuwerden? Weit gefehlt! Tatsächlich werden sie dadurch verstärkt, dass du sie versteckst. Und verarbeiten kannst du sie auf diese Weise auch nicht, also hast du auch noch länger etwas von ihnen...
Nachteil #2: Man wird blind
Du schaust bei jedem Problem weg? Dann kannst du auch nicht erkennen, wann etwas schiefläuft, ergo auch nicht nach einer Lösung suchen, wenn die Zeit dafür reif ist! Negative Emotionen erfüllen einen ganz schön wichtigen Zweck: Sie regen Veränderung an. Das geht aber nicht, wenn du sie ignorierst.
Nachteil #3: Es fühlt sich nicht echt an
Der Gedanke „Alles ist perfekt“ fühlt sich wohl kaum authentisch an. Wie sehr kannst du es dir also selbst abkaufen? Es IST halt einfach nicht alles toll. Na und? Wenn das aber deine Erwartungshaltung ist („für Optimisten ist alles perfekt“), dann mach dich gefasst auf die Enttäuschung des Jahrzehnts.
Ist Optimismus also Quatsch? Da muss ich dir als Positiver Psychologe ein entschiedenes Nein entgegensetzen! Denn wahrer Optimismus ist gesund – und realistisch.
Bitte mehr davon: realistischer Optimismus!
Martin Seligman, einer der bedeutendsten Vertreter der Positiven Psychologie, hat den Begriff des realistischen Optimismus geprägt. Und der hat rein gar nichts mit Naivität zu tun.
Nachdem er viele Jahre zur erlernten Hilflosigkeit (einem wichtigen Faktor bei der Entstehung von Depressionen) geforscht hat, wandte er sich dem „erlernten Optimismus“ zu.
Pessimistische Gedanken sind nicht nur unangenehm und lösungshinderlich. Die Forschung hat gezeigt, dass fröhliche Nonnen viel häufiger ein hohes Lebensalter erreichen als unglückliche (aus Seligman: „Der Glücks-Faktor – Warum Optimisten länger leben“, S. 21). Ein schlagendes Argument für den Optimismus, wie ich finde!
Um ein realistischer Optimist zu werden, solltest du deine negativen Emotionen ebenso anerkennen wie die positiven. Allerdings solltest du deinen gedanklichen Fokus auf das legen, was dich fördert: deine Stärken, positive Erlebnisse, motivierende Ziele usw. Das hängt auch mit der Bewertung von Erfolg und Misserfolg zusammen.
Optimisten…
- interpretieren bei positiven Ereignissen, dass sie sie selbst herbeigeführt haben (z. B. wegen ihrer Stärken)
- erwarten bei positiven Ereignissen, dass sie wiederkehren
- interpretieren bei negativen Ereignissen, dass sie sie verändern können
- erwarten bei negativen Ereignissen, dass sie wieder vorübergehen
Diese Einstellung hilft, Zuversicht zu entwickeln und mithilfe der eigenen Stärken an Lösungsplänen zu feilen. Sie vergleichen sich nicht mit anderen, sondern schauen auf ihre eigene Entwicklung. Und manchmal erkennen sie auch, warum die ganze Misere gut gewesen sein könnte und was man daraus gelernt hat. Also alles halb so wild! 😉
Fun Fact: Seligman beschreibt sein früheres Selbst als Miesepeter – und sagt, er wendet seine eigenen Techniken zum Erlernen von Optimismus regelmäßig selbst an.
Wie wird man realistischer Optimist?
Jetzt wird es Zeit für ein paar praktische Übungen. Wie kann ich optimistischer werden und ein glücklicheres Leben führen? Seligman liefert die Antwort mithilfe seines PERMA-Modells. PERMA steht dabei für:
- Positive Emotionen
- Engagement
- Relationships (Beziehungen)
- Meaning (Sinnerleben)
- Achievement (Leistung)
Und genau diese 5 Aspekte schauen wir uns jetzt näher an.
Positive Emotionen fördern
Wer mehr Glück und Zufriedenheit im Alltag erleben möchte, der sollte positive Gefühle erkennen und erschaffen. Werde dir zunächst all der guten Dinge bewusst, die in deinem Leben bereits vorhanden sind. Wofür bist du dankbar? Was ist heute gut gelaufen? Was hat dich glücklich gemacht?
Und dann werde selbst zum Gestalter: Erstelle dir eine Liste mit Dingen, die deine Laune kurz- und langfristig erheitern und tue jeden Tag mindestens eine Sache von dieser Liste, um dein Glück selbst in die Hand zu nehmen!
Sich engagieren
Damit meint Seligman insbesondere, sich so in einer Tätigkeit zu engagieren, dass man einen Flow erlebt. Dies kann die Arbeit sein, Kunst, Sport, Familie… etwas, was dich erfüllt!
Denke einmal zurück: Wann hast du zuletzt alles um dich herum vergessen? Was hast du da getan bzw. was war anders als sonst? Und wenn du eine solche Tätigkeit gefunden hast, dann blockiere ihr Platz in deinem Kalender. Damit du wieder aufblühen kannst!
Soziales Netzwerk aufbauen
Umgib dich mit Menschen, die dir ein gutes Gefühl geben. Pflege deine Beziehungen. Und gib anderen etwas zurück: ein Kompliment, ein kleines Geschenk, deine Aufmerksamkeit…
Anderen zu helfen macht nachhaltig glücklich. Und positiver Sozialkontakt kann sogar vor psychischen Erkrankungen schützen. Also denk mal an jemanden, der dir am Herzen liegt, und überlege, was du heute Gutes für ihn tun kannst!
Für alle, die mehr wollen, habe ich eine kleine Herausforderung: Versuche mal einen Tag lang, jeden anzulächeln, der dir über den Weg läuft! Was sind die Reaktionen? Was macht das mit dir?
Sinn erleben
Was sind deine Werte? Was ist deine Mission? Was kannst du „Gutes“ oder „Sinnvolles“ tun? (Die Antworten darauf sind ganz individuell!) Überlege dir, welche kleinen und großen Handlungen dir helfen, dich selbst zu verwirklichen und deine Werte in die Welt zu tragen. Wann fühlst du, dass das, was du tust, einen tieferen Sinn verfolgt?
Leistung zeigen
Nimm dich als selbstwirksam und erfolgreich wahr, indem du deine Stärken einsetzt und dir Ziele setzt! Blicke auch auf vergangene Erfolge zurück: Was hast du bereits erreicht? Welche Entwicklung hast du erfolgreich durchlaufen? Welche Stärken hast du – und wie kannst du sie einsetzen? Mit welchen Zielen kannst du dich zu neuen Horizonten anspornen?
Wenn du klein starten möchtest…
…dann beginne damit, dir jeden Tag 5-10 Dinge zu notieren, die gut gelaufen sind. Das verlagert deinen gedanklichen Fokus auf die gelingenden Aspekte deines Lebens.
Führe achtsam positive Gespräche: Statt beim Heimkommen von all den Misserfolgen zu erzählen, berichte einmal, was gut gelaufen ist. Dieser Trick kann deine sozialen Interaktionen grundlegend verändern!
Und wenn du dich noch mehr mit dem Thema „optimistisch denken“ auseinandersetzen möchtest, dann ist mein Newsletter genau das Richtige für dich! Wenn du dich anmeldest, bekommst du hier das kostenlose Workbook für mehr Optimismus im Alltag.
Ich wünsche dir einen wundervollen Tag voller Glücksmomente!
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Lies weiter, wie du nach Seligmans PERMA-Modell glücklich leben kannst! Oder finde heraus, wie du selbst zum GlücksCreator in deinem Alltag wirst. (Hier gelangst du zurück zur Artikelübersicht)
(Bild von Karley Saagi auf Pexels)